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Reality

Ich treffe einen Freund, der hektisch auf der Suche nach einem Trennschleifer (ich möchte Schleichwerbung fĂŒr FLEX-Elektrowerkzeuge GmbH, Bahnhofstraße 15, 71711 Steinheim vermeiden) ist. “WofĂŒr?” frage ich mich und um Wortwiederholungen zu vermeiden frage ich ihn: “Warum?”

“Ich muss ein Fahrradschloss öffnen”, sagt er. “EIN Fahrradschloss? Weißt du noch nicht zu wessen Fahrrad oder was?”, frage ich. Im folgenden Dialog klĂ€rt sich, dass es um das Fahrrad einer Bekannten gehe und er dasselbe gefragt habe.

Story

"Ich komme mit, nur falls jemand die Polizei ruft", sichere ich ihm zu. Es scheint ihn komischerweise eher zu verunsichern. Seltsam ...

Den Trennschleifer majestĂ€tisch wie ein Zepter vor uns her tragend erreichen wir das Fahrrad. Just in diesem Augenblick biegt ein Polizeiauto um die Ecke und hĂ€lt neben uns an. Drei Polizisten steigen aus, bauen sich vor uns auf und fragen: "Was machen Sie denn da? Wollen Sie etwa das Fahhrad klauen?" Ich erinnere mich an die Worte meiner Mutter: "Du sollst nicht mit Fremden reden" und um Wortwiederholung zu vermeiden sage ich: "Der Operator meiner Geburt hat verlautet, ich solle das GesprĂ€ch mit Unbekannten meiden. Wenn Sie mir also Ihren Ausweis zeigen wĂŒrden?!"
Der vordere Polizist zeigt seinen Dienstausweis samt Dienstmarke vor. *niiiieeeeeeeaaauuuuuuu* Ich nehme die Trennscheibe wieder runter, zeige auf das zerfetzte Material in der Hand des Polizisten und sage: "Das kann so aber nicht gĂŒltig sein." Polizist Nummer 2 hat derweil seine Dienstwaffe gezĂŒckt. Ich hebe deeskalierend meine HĂ€nde, wodurch *niiiieeeeeeeaaauuuuuuu* die Trennscheibe die Seriennummer der Dienstwaffe abschmirgelt. Als ich das bermerke, winke ich den dritten Polizisten zu mir herbei. "Herr Wachtmeister", sage ich, "diese beiden Herren geben sich als Polizei aus, aber der eine hat keine Dienstmarke und der andere eine illegale Waffe. DarĂŒberhinaus haben sie mein Fahrrad unrechtmĂ€ĂŸig angekettet."

Nachdem der dritte Polizist die anderen beiden gefesselt und im Auto geparkt hat, kommt er mit einem Bolzenschneider wieder und öffnet das Schloss fĂŒr uns. Er wĂŒnscht uns einen schönen Tag und warnt uns noch einmal achtsam zu sein, es seien viele BetrĂŒger unterwegs. Er setzt sich ins Auto und fĂ€hrt fĂŒnf Meter, bevor er in die Einfahrt der Polizeistation einbiegt. Wir nehmen das fĂŒr uns befreite Polizeifahrrad und rennen weg.
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Reality

Ich bin gerade aufgestanden und stehe vorm Spiegel. Genauso wie der Tod die Personifizierung des Sterbens ist, bin ich gerade die Personifizierung des Schlafs. Ich schaue dem Faultier, das ich bin, tief in die Augen, als mich ein Scheppern und BrĂŒllen aus den Gedanken reißt. "Hey", "Oh", "Lau(t)" und "Buh" oder so tönt es von der Straße.

Story

ich gehe zum Fenster und schaue hinaus. Ein Karnevalsumzug in Orange schmĂŒckt die Straße. Als der Zug gerade meinem Fenster am nĂ€chsten ist, rufe ich aus aller Seele: "Helau. Kamelle" Postwendend bemerkt mich einer von ihnen und wirft mir etwas entgegen. Der siffige MĂŒllbeutel öffnet sich beim Aufprall auf mein Gesicht und verteilt sich auf mir und meiner Fensterbank.
"Die SĂŒĂŸigkeiten, die die werfen", denke ich, "waren auch schon einmal frischer. Nicht viel. Aber ein bisschen."
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Reality

Ich stehe im Imbiss und warte auf mein Essen. Neben mir wartet eine Person, die entweder zu einem Junggesellinenabschied oder einer Karnevalsgruppe gehört, und schaut mich an; nippt an ihrer Coke Zero (tm); schaut wieder herĂŒber.

Story

Es muss ein Junggesellinenabschied sein. Und die Coke Zero (tm) prĂ€sentiert das Leben wie es sein sollte. Ich werfe den Tisch, der zwischen uns steht, um und halte Augenkontakt. Als sie die Situation begreift, beginnt sie ihr Oberteil aufzuknöpfen. Der Aufprall des Tisches zieht die Blicke der anderen GĂ€ste auf uns, als wir uns in gerade in einer beginnenden Endlosigkeit zu kĂŒssen beginnen. Nach dem Kuss flĂŒstere ich ihr ins Ohr: "Lust auf ein letztes Abenteuer?" Vorsichtig nickt sie.

Nach einer circa einstĂŒndigen Autofahrt sitzen wir im schwachbeleuchteten Keller meiner Eltern. Sie ist so furchtbar aufgeregt. Mit bebendem Herz streckte sie ihre Faust aus und öffnete sie. Zwanzig. Ein kritischer Patzer. Ihre Thorwalerin verfehlte den Drachen und schlug stattdessen dem ohnehin schon kurzgeratenen Zwerg der Gruppe den Kopf ab. Die Verwirrung der Gruppe nutzte der Drache und röstete sie alle. Alrik den Streuner, Cynthia die Thorwalerin, Alrik den Krieger, den namenlosen Zwerg und Alrik den Magier. Dies war ihr letztes Abenteuer...
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Reality

Eine Frau im Bus versucht ein ticket zu kaufen. Der Automat akzeptiert den zehn Euro Schein nicht. Sie beginnt erst zu fluchen und fragt dann nach Wechselgeld.

Story

Ich lĂ€chle innerlich. "Ich habe keine MĂŒnzen, aber zwei FĂŒnfer kann ich Ihnen geben", sage ich und zĂŒcke meine Geldbörse. "Es ist nur dieser Zehn Euro Schein, der nicht funktioniert, also gerne", antwortet sie.
Ich bin gerade fertig mit ihr die Scheine zu tauschen, als wir uns kichernd von einander wegdrehen. So leicht habe ich ihr Falschgeld untergeschoben :D .... und sie mir D:
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Reality

Ich laufe durch den Kölner Hauptbahnhof. Auf der Suche nach meinem Gleis, fĂ€llt mir im Auenwinkel eine Person auf, die auf dem Boden sitzt. ich schaue kurz rĂŒber und lese die obere HĂ€lfte von dem aufgestellten Pappschild.
"Ich bin Schwanger"

Story

Das kenne ich, denke ich. Zweckgebundenes Betteln ist erfolgsversprechender. Also mache ich mich auf den Weg zum nĂ€chsten Supermarkt. Wenige Minuten spĂ€ter setze ich mich neben die Frau. Ich lege ihr meine Hand auf die Schulter und sage: "Gut, dass du ein Schild geschrieben hast, sonst wĂ€re ich einfach vorbeigelaufen." Ich lĂ€chle, sie lĂ€chelt zurĂŒck. Ich lasse ihr die gekaufte Dose Katzenfutter da und gehe zu meinem Zug.

Zwei Tage spÀter laufe ich wieder an der Frau vorbei. Sie hat ein neues Schild gemalt: "Ich habe keinen Dosenöffner."
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